Interkulturalität neu denken erfordert moralische Bekenntnisse. Die Analyse einer Debatte zwischen Vertreter*innen von Konvivialismus, Interkulturalismus, Kosmopolitismus sowie Autor*innen zur interkulturellen Kommunikation

Autor/innen

Schlagworte:

Konvivialismus, Interkulturalismus, Kosmopolitismus, interkulturelle Kommunikation, positivistische Forschungsmethoden

Abstract

Noch nie haben sich so viele Konzepte zu einer Neu-Orientierung interkultureller Forschung angeboten wie heute: Konvivialismus, Interkulturalismus, Kosmopolitismus und zahlreiche weitere Konzepte wollen versprechen, über theoretische und methodische Dilemmata einer bisherigen Auseinandersetzung mit Interkulturalität spielend hinweghelfen zu können. Warum aber verlassen viele dieser Konzepte dennoch nie die Nische des kokettierenden Alternativvorschlags? Warum werden sie nicht einfach umgesetzt? 

Dieser Beitrag analysiert die Grundannahmen einiger dieser Vorschläge und vergleicht sie mit dem gegenwärtigen Selbstverständnis einer interdisziplinären Erforschung von Interkulturalität. Dabei wird argu-mentiert, dass viele der neuen Konzepte ausschließlich moralischer und (kultur-) politischer Natur sind. Ihnen fällt es vergleichsweise leicht, moralische Politiken zu formulieren, in denen Interkulturalität oft überhaupt erstmals berücksichtigt wird. Zweifel an der globalen Implementierbarkeit dieser Konzepte können an ihnen gar nicht erst einhaken. Demgegenüber hat sich die interdisziplinäre Erforschung von Interkulturalität in Europa in den vergangenen Jahrzehnten hauptsächlich an Prinzipien der Sozialforschung orientiert. Zugunsten von ausschließlicher Deskription wurde hier versucht, moralische Orientierungen und Forschungsmotivationen möglichst zu leugnen. Wenn es nun darum gehen soll, Interkulturalität neu zu denken, dann kann dies nur gelingen, wenn sich auch die bisherige Forschung stärker zu einem moralischen Bekenntnis durchringt und dieses (kontrovers) reflektiert. Spätestens dann werden zahlreiche Perspektiven konkreter zugänglich.

Autor/innen-Biografien

Dominic Busch, Fakultät für Humanwissenschaften, Universität der Bundeswehr München

Dominic Busch holds a Professorship for Intercultural Communication and Conflict Research at Universität der Bundeswehr München.

Jana Möller-Kiero, Universität der Bundeswehr München

Jana Möller-Kiero is a research assistant at the Institute for Intercultural Communication at Ludwig-Maximilians-Universität München and at the Professorship or Intercultural Communication and Conflict Research at Universität der Bundeswehr München.

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Veröffentlicht

2016-08-21

Zitationsvorschlag

Busch, D., & Möller-Kiero, J. (2016). Interkulturalität neu denken erfordert moralische Bekenntnisse. Die Analyse einer Debatte zwischen Vertreter*innen von Konvivialismus, Interkulturalismus, Kosmopolitismus sowie Autor*innen zur interkulturellen Kommunikation. Interculture Journal: Online Zeitschrift für Interkulturelle Studien, 15(26), 43–58. Abgerufen von https://interculture-journal.com/index.php/icj/article/view/273