Bd. 16 Nr. 27/28 (2017): Interkulturalität: Pädagogische Sichtweisen

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Was lange währt, wird endlich gut! Mit einer dicken Doppelausgabe, die es in sich hat, meldet sich Interculture Journal noch vor der Sommerpause zurück. Wir heißen an dieser Stelle unsere neue Chefredakteurin Anita Ackermann willkommen, die uns in Zukunft tatkräftig bei der Konzeption der Ausgaben und der Redaktion der Beiträge unterstützen wird! 

Im neuen Heft dreht sich alles um die pädagogische Perspektive auf Interkulturalität und interkulturelles Lernen. Die Vielfalt der Ansätze und Einsatzmöglichkeiten unterstreicht dabei nachhaltig, welche Bedeutung die Berücksichtigung von Interkulturalität in den verschiedensten Bereichen des Bildungswesens mittlerweile einnimmt.

Im ersten Beitrag beschäftigen sich Julia Ebers und Nadine Hüllbruck mit dem Desiderat der inklusiven Schule, die Vielfalt auf unterschiedlichen Ebenen abbilden möchte. Anhand von zwei Projektbeispielen aus der interkulturellen Bildungspraxis gehen sie der Frage nach, inwieweit Auslandserfahrungen von Lehrkräften und SchülerInnen die Entwicklung von Inklusion unterstützen können.

Die Untersuchung von Alina Ivanova, Markus Kollmannsberger und Ewald Kiel ist ebenfalls im schulischen Kontext angesiedelt. Anhand der Auswertung von Gruppendiskussionen mit 44 Lehrkräften zu bedeutsamen, als interkulturell interpretierten Situationen im Schulalltag identifizieren sie Muster im Umgang mit erfahrener Diversität und setzen sich kritisch mit den Folgen kulturalisierender Denkmuster für pädagogische Handlungsstrategien auseinander.

Der Artikel von Ulrike Schütte und Chantal Polzin bringt mit den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit und Sonderpädagogik zwei unterschiedliche Anwendungsfälle interkultureller Kommunikation zusammen. Anhand eines historischen Vergleichs im Hinblick auf Gemeinsamkeiten in der Zusammenarbeit mit Menschen, die als „fremd“ wahrgenommen werden, werden Potenziale der aus der Sprachpädagogik stammenden „Relationalen Theorie“ für die interkulturelle Zusammenarbeit nutzbar gemacht. 

Der Beitrag von Berit Sandberg stellt die Idee des Arts-based Learning vor, einen Entwicklungsansatz für Organisationen, von künstlerischen Berufskulturen zu lernen. Anhand einer empirischen Erhebung weist die Autorin nach, dass der für wirtschaftliche Innovationen beispielsweise notwendige kreative Mut in der Berufskultur von Künstlern stärker verankert ist als in der von Managern, und entwickelt Ansätze zur Übertragung und Integration über Grenzen von Berufskulturen hinweg. 

Der Artikel von Daniel Scheible ist im Bereich des organisationalen Lernens angesiedelt und stellt einen Zusammenhang zwischen Expatriation und Diversity Management her. Anhand eines Literaturreviews und einer explorativen Studie kommt er zu dem Schluss, dass trotz offensichtlicher Anknüpfungspunkte weder im akademischen Diskurs noch in der organisationalen Praxis eine Verbindung beider Konzepte diskutiert oder praktiziert wird, und öffnet damit Raum für lohnenswerte weitere Forschung. 

Die aktuelle Ausgabe wird ergänzt durch zwei Praxisberichte aus dem Kontext der Hochschulbildung: Hiltraud Casper-Hehne und Tanja Reiffenrath stellen das Göttinger Modell einer Internationalisierung der Curricula vor. Annika Luisa Meinecke, Lena Müller-Frommeyer, Fabian Klause und Simone Kauffeld geben einen Einblick in das SCOUT-Programm zur erfolgreichen Begleitung internationaler Studierender an der TU Braunschweig.

Eine Replik von Stefan Kammhuber zu dem 2016 erschienen Artikel „Interkulturelle Managementforschung - Reflexive Gedanken über eine unreflektierte Denkschule“ setzt den kritischen Diskurs innerhalb unterschiedlicher Schulen und Ansätze wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit Interkulturalität fort.  

Unsere Doppelausgabe wäre nicht vollständig ohne Rezensionen von Neuerscheinungen im Bereich interkultureller Kommunikation: Roman Lietz rezensiert die „Business Toolbox Interkulturelle Kompetenz“ von Andrea Cnyrim. Susanna Vykoupil setzt sich mit dem „TOPOI-Modell“ von Edwin Hoffmann auseinander. Olga Sacharowa bespricht das Buch „Ansehenssache. Formen von Prestige in Kulturen des Altertum“ der HerausgeberInnen Birgit Christiansen und Ulrich Thaler. Maja von Lewartow Lewartowski beschäftigt sich mit Tim Riedels „Internationale Personalauswahl“. Maja Störmer rezensiert „Organizing Networks“ von Andréa Bellinger und David Krieger. Und Hans Giessen bespricht das Buch „Intercultural Management“ von Christoph Barmeyer und Peter Franklin. 

Wir wünschen eine spannende Lektüre unseres Doppelhefts und freuen uns über weitere Beiträge für Interculture Journal!

Stefanie Rathje (Berlin)

Jürgen Bolten (Jena) im Juli 2017


Veröffentlicht: 2017-08-13

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Editorial